Marcus Schwedhelm (swiss active): „Die gesamte Schweizer Fitnessbranche profitiert von den Eckdaten“

Wie stark ist die Schweizer Fitnesswirtschaft? Marcus Schwedhelm (swiss active) im Eckdaten-Interview.
Lesezeit: 6 Minuten
Eine sportliche Frau mit braunen Haaren hält eine Yogamatte und lächelt. Daneben steht Marcus Schwedhelm in weißem Hemd und grauem Sakko auf hellem Hintergrund.
Marcus Schwedhelm (swiss active) im großen Eckdaten-Interview
Die 'Eckdaten der deutschen Fitnesswirtschaft 2025' belegen klar das Zukunftspotenzial in der Fitness- und Gesundheitsbranche. Welche Bedeutung die Daten für die DACH-Region und Europa haben, erläutert Marcus Schwedhelm (swiss active) im Interview.

fM: Seit 2020 werden die 'Eckdaten der Schweizer Fitnesswirtschaft' erhoben. Geht von den Eckdaten inzwischen eine Signalwirkung für das Potenzial der Fitnessbranche aus?

Marcus Schwedhelm: Marktstudien sind in allen Branchen wichtig, da sie gegenüber Politik, Institutionen und den Medien wichtige Fakten liefern.

Im Fall der Eckdatenstudie war in den letzten Jahren zu beobachten, dass das Interesse immer größer wurde – von daher: Ja, sie hat Signalwirkung für das Potenzial der Schweizer Fitnessbranche.

Das gilt auch für wichtige Player wie die Fitnessindustrie, die die Studie auf Veranstaltungen häufig zitieren.

Was gab 2020 den Impuls für die Erhebung dieser Daten?

Grundsätzlich hatten wir in der Schweiz nie einen kompletten Marktüberblick. Es gab zwar unterschiedliche Marktstudien, aber diese deckten den Markt nie in Gänze ab.

Weitere Interviews und Hintergründe

In weiteren Interviews sprechen Hermann Rutgers und Christian Hörl über die Bedeutung der Eckdaten für Europa und Österreich.

Lese außerdem unseren Artikel 'Fit. Stark. Gesund.' als Einstieg zum Interview.

Indem du auf das entsprechende Bild oberhalb dieses Textes klicken, gelangst du direkt zum jeweiligen Artikel.

Einer der Auslöser für die Erhebung der Marktdaten 2020 war die COVID-19-Pandemie. Zu diesem Zeitpunkt war es gegenüber den Behörden und der Politik enorm wichtig, anhand valider Marktdaten zu begründen, warum es Sinn ergibt, die Fitnessstudios zu öffnen, und zu zeigen, dass diese helfen können, die Bevölkerung gesund zu erhalten oder das Immunsystem zu stärken.

Ohne valide Datenbasis wäre es schwierig gewesen, klar zu argumentieren.

Auf welchen Ebenen profitiert swiss active von den Ergebnissen dieser Studie?

swiss active profitiert insofern davon, als dass man den Verband als ernstzunehmenden und kompetenten Ansprechpartner wahrnimmt. Aber ich möchte gern darauf hinweisen, dass es uns auch – und vor allem – darum geht, dass die gesamte Schweizer Fitnessbranche von den Eckdaten profitiert.

Und zwar, weil die Studie wichtige repräsentative Marktdaten liefert, die für jeden einzelnen Marktplayer wichtig sind, sei es als Benchmark für ein eigenes Business oder als Argumentationsgrundlage beispielsweise gegenüber Finanzinstitutionen beim Stichwort Betriebskredite.

Können Sie konkretisieren, auf welchen Ebenen die gesamte Branche profitiert?

Marktdaten sind wichtig, um in allen Bereichen Markttransparenz zu schaffen. Betreiber von Einzelstudios sehen, wo sie im Markt stehen, wie ihr Business aufgebaut ist und in welche Richtung sie sich weiterentwickeln können.

Für die gesamte Branche sind diese Daten eine wichtige Argumentationsgrundlage, unter anderem gegenüber dem Bundesamt für Gesundheit und den Krankenkassen. In der Schweiz hat die Fitnessbranche zu den Krankenkassen ein sehr gutes Verhältnis.

Bei entsprechender Zusatzversicherung bekommen Mitglieder, die bei Centern und Methodenanbietern mit Qualitop-Zertifizierung trainieren, von diesen finanzielle Zuschüsse zur Mitgliedschaft oder einzelnen Kursen.

Wie können internationale Branchenverbände die Eckdaten als Argumentationsgrundlage für sich nutzen, z. B. gegenüber der Politik und dem Gesundheitswesen?

Für die internationalen Dachverbände wie EuropeActive oder World Active sind solche nationalen Marktstudien wichtig, um einerseits einen Überblick über die jeweiligen regionalen Märkte und ihren Entwicklungsstatus zu haben und andererseits, um gegenüber international agierenden Institutionen, wie der EU oder der WHO auch fundierte Argumente zu liefern, wie essenziell die Fitnessbranche zur Gesundheitsförderung und Prävention der jeweiligen Landesbevölkerung beiträgt.

Für die gesamte Branche sind diese Daten eine wichtige Argumentationsgrundlage, unter anderem gegenüber dem Bundesamt für Gesundheit und den Krankenkassen.

In der Schweiz hat die Fitnessbranche zu den Krankenkassen ein sehr gutes Verhältnis. Bei entsprechender Zusatzversicherung bekommen Mitglieder, die bei Centern und Methodenanbietern mit Qualitop-Zertifizierung trainieren, von diesen finanzielle Zuschüsse zur Mitgliedschaft oder einzelnen Kursen.

Welchen Mehrwert bringt eine gesicherte Datenlage der gesamten Branche in der DACH-Region?

Bezogen auf die DACH-Region hilft es, Vergleiche zu ziehen, aufgrund der unterschiedlichen Märkte oder Marktgegebenheiten voneinander zu lernen und auch einmal über den Tellerrand zu schauen.

Es ist sinnvoll, sich die Fragen zu stellen: Wie wird es woanders gemacht, was können wir gegebenenfalls adaptieren etc.?

Insofern sind die deutschen Eckdaten auch für uns interessant. Da bereits einige Player des deutschen Marktes auf den Schweizer Markt gekommen sind, sind wir neugierig, wer als nächstes den Schritt wagen könnte.

Welche Trends zeigen die aktuellen Schweizer Eckdaten? Welche Zahlen stimmen Sie optimistisch? Gibt es überraschende Entwicklungen?

Bezogen auf die DACH-Region hilft es, Vergleiche zu ziehen, aufgrund der unterschiedlichen Märkte oder Marktgegebenheiten voneinander zu lernen und auch einmal über den Tellerrand zu schauen. Es ist sinnvoll, sich die Fragen zu stellen: Wie wird es woanders gemacht, was können wir gegebenenfalls adaptieren etc.?

Insofern sind die deutschen Eckdaten auch für uns interessant. Da bereits einige Player des deutschen Marktes auf den Schweizer Markt gekommen sind, sind wir neugierig, wer als nächstes den Schritt wagen könnte.

Die Ergebnisse der letzten Studie zeigen ein Plus an Studios, Mitgliedern und Mitarbeitenden. Die Vor-Corona-Zahlen sind wieder erreicht und sogar übertroffen worden. Das stimmt optimistisch und wir sind gespannt auf die diesjährigen Ergebnisse. Ein Problem bleibt der Fachkräftemangel.

Zudem zeichnete sich ein Trend hin zu holistischer Gesundheit mit einem deutlichen Anstieg an Dienstleistungen im Bereich Personal Training und Ernährungsberatung ab.

Überraschend war, dass es einen deutlichen Rückgang bei digitalen Trainingsangeboten gab. Das zeigt uns, wie wichtig die soziale Komponente und der Austausch mit anderen Trainierenden oder dem Personal für die Mitglieder ist.

Wie unterscheidet sich der Schweizer Fitnessmarkt konkret vom deutschen Markt oder dem anderer europäischer Nationen?

Zunächst wahrscheinlich im Preis. Der Schweizer Markt ist genauso divers wie in anderen Bereichen der DACH-Region, reicht vom Discount- bis zum Premiumsegment. Aber insgesamt ist das Preisniveau ein bisschen höher.

Ansonsten vielleicht auch darin, dass über die Hälfte der Anbieter in der Schweiz Einzelbetreiber sind und ihre feste Stammklientel in ihrem jeweiligen Einzugsgebiet haben, wo sie mit sehr persönlicher Dienstleistung punkten.

Außerdem findet man hier weniger international agierende Fitnessketten als in Deutschland und anderen Ländern. Wahrscheinlich ist das Marktvolumen für einige große Player noch zu klein, die sich stattdessen auf größere Märkte fokussieren. In vielen anderen Bereichen sind die Entwicklungen der Märkte europaweit meines Erachtens gleich und lassen sich von daher übertragen.

Was sagt die Eckdatenstudie über die Bedeutung der Personalqualifikation in der Schweiz aus?

In der vergangenen Studie konnten wir herausfinden, dass es einen Zuwachs an Stellen gab. Rund 43 Prozent der Mitarbeitenden konnten die berufliche Grundbildung, also Lehre und Fachausweis als Abschlussqualifikation vorweisen.

Weitere rund 39 Prozent weisen Qualifikationen in der non-formalen Ausbildung, also weiteren Trainerausbildungen, auf. Über zwölf Prozent hatten ein Studium wie beispielsweise Fitnessökonomie an der DHfPG absolviert und knapp sechs Prozent verfügten über eine medizinische Qualifikation.

Viel interessanter und ein wichtiger Hinweis darauf, welche Bedeutung die Personalqualifikation hat, ist die Quote von rund 88 Prozent der Betriebe, die ihre Mitarbeitenden in unterschiedlichsten Bereichen weitergebildet haben.

Warum ist die Markttransparenz innerhalb der Fitness- und Gesundheitsbranche so wichtig?

Das lässt sich gut mit einem Beispiel beantworten: Manche Medien schreiben im Zusammenhang mit Fitnesstraining beispielsweise nur über Körperkult.

Wir können dann argumentieren, dass wir anhand unserer Marktstudie ganz klar sehen, dass Fitnesstraining sich durch alle Altersgruppen und Gesellschaftsschichten zieht.

Es handelt sich nicht einfach nur um eine Lifestylegeschichte, sondern darum, dass sich die Menschen gesundheitsfördernd und präventiv verhalten – und dafür bieten die Eckdaten eine sehr gute Grundlage.

Würden Sie sich wünschen, dass diese Daten auch in anderen Ländern über die DACH-Region hinaus erhoben werden? Welche Märkte wären aus Ihrer Sicht interessant?

Es gibt bereits seit Jahren den European Health & Fitness Market Report, den EHFMR, der die Marktdaten aus verschiedenen europäischen Ländern zusammenträgt.

Zu einem Großteil kommen diese Daten aus Markterhebungen, die dort von den jeweiligen nationalen Branchenverbänden durchgeführt werden. Das reicht uns für den Schweizer Markt an Informationen.

Unser Fokus liegt klar auf dem DACH-Raum und wenn wir doch einmal in andere Länder schauen wollen, dann genügt uns der Blick in den EHFMR oder wir nehmen direkt mit den jeweiligen Landesverbänden Kontakt auf.

Mit ihnen tauschen wir uns ohnehin mehrmals im Jahr beim European Fitness Associations Forum, kurz EFAF, von EuropeActive aus, wo die Daten der einzelnen Länder vorgestellt werden.

Über den Interviewpartner | Über die Interviewpartnerin

Porträtfoto Marcus Schwedhelm

Marcus Schwedhelm

Präsident swiss active

Marcus Schwedhelm startete nach seinem Wirtschaftsgeografie-Studium an der Universität Göttingen seine Karriere in einer Consultingfirma. Dort konnte er seine Affinität zu Fitness und Sport im Beratungsfeld für Sport- und Wasserfreizeitanlagen einbringen. Nach mehreren Jahren als Berater und anschließend als Leiter des Geschäftsfelds Wellness der Hamburger Bäder zog er in die Schweiz. Dort arbeitete er bis Mai letzten Jahres über 16 Jahre für die Migros. Ende Mai 2024 wurde er zum neuen swiss active-Präsidenten gewählt. Seit September letzten Jahres ist er darüber hinaus als Dozent und Projektleiter in den Themenfeldern Gesundheits-/Wellness- und Sporttourismus an der Hochschule Luzern tätig.

www.swissactive.ch

dhfpg-bsa

-Anzeige-

Für fitness MANAGEMENT berichtet

Mehr von diesen Autoren

Das marea Fitness in Lingen hat das Zertifizierungsverfahren „ZertFit“ der BSA-Zert nach DIN-Norm 33961 erfolgreich absolviert und beantwortet damit zugleich...
An dieser Stelle haben wir Anfragen Ihrer Kollegen, unserer Mitglieder, zum Thema Rechte und Pflichten gegenüber Mitarbeitern gesammelt. Kurz und...
Schulung von UV-Fachpersonal: In der Wahrnehmung vieler Betreiber und auch der Öffentlichkeit ist die Schulung und Zertifizierung von UV-Fachpersonal der...

Das könnte dich auch interessieren

Eine lächelnde Frau mit Fitnessmatte vor einem blauen Hintergrund mit kreisförmigen Designelementen. Logos von DSSV, Deloitte und DHfPG links und in der Mitte unten in weißer Schrift der Text 'Eckdaten der deutschen Fitnesswirtschaft 2025'.

Fit. Stark. Gesund.

Mitgliederrekord, Umsatzhoch, mehr Investitionen: die Fitnessbranche boomt! Doch welche Trends treiben die Entwicklung an?
Eine sportliche Frau mit braunen Haaren hält eine Yogamatte und lächelt. Daneben Christian Hörl in weißem Hemd auf hellem Hintergrund.

Eckdaten-Interview WKO

Wie stark ist Österreichs Fitnesswirtschaft? Christian Hörl (WKO) im Eckdaten-Interview.
Wie Sie mit einem modernen Markenauftritt überzeugen

Überzeugender und moderner Markenauftritt

Den eigenen Markenauftritt auf den Prüfstand stellen: Warum ein starkes Branddesign über Erfolg oder Stillstand entscheidet.
Fabian Menzel, Geschäftsführer XTRAFIT, im Interview: Überzeugender und moderner Markenauftritt

Praxisimpulse für ein zeitgemäßes Marketing

Rebranding mit Wirkung: Wie XTRAFIT durch das neue XFDS-Designsystem eine Auszeichnung beim German Design Award 2024 gewann.
Das Project Fit in Balingen ist ein topmodernes Studio

Project Fit Balingen

Sebastian Radunski verwandelte das Project Fit in Balingen in sieben Jahren in ein topmodernes Studio mit Premium-Angebot zu fairen Preisen und familiärer Atmosphäre.
fM-Redakteurin Anke Sörensen interviewt Bodybuildingstar Diogo Montenegro am Panatta Stand auf der FIBO 2024

Diogo Montenegro

Diogo Montenegro feierte als Sieger der Arnold Classic 2024 in der Klasse Men's Physique einen Höhepunkt seiner Karriere. Wir trafen ihn auf der FIBO zum Interview.