Interview Hanspeter Rubner: „Beim Muskeltraining ist der menschliche Körper das Kunstwerk"

Die Ausstellung „Kraft trifft Kunst“ zeigte außergewöhnliche gym80-Geräte. Hanspeter Rubner von gym80 Schweiz erklärt die Botschaft der Veranstaltung.
Lesezeit: 5 Minuten
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'Kraft trifft Kunst' Ausstellung in Zürich
'Kraft trifft Kunst' Ausstellung in Zürich
Vom 25. bis zum 27. August 2022 präsentierte gym80 schon zum dritten Mal seine Kraftmaschinen im Rahmen des Events „Kraft trifft Kunst“ in der Züricher Fame Gallery. Im Interview mit Hanspeter Rubner von gym80 Schweiz blickt fitness MANAGEMENT auf das außergewöhnliche Event zurück.

fM: Hanspeter Rubner, wir treffen uns heute in der Fame Gallery, 200 Meter entfernt von der Züricher Bahnhofstrasse, einer der wohl teuersten Einkaufsmeilen in Europa. Gemeinsam mit Ihrem Geschäftspartner Christian Billinger stellen Sie hier die neuesten Trainingsgeräte von gym80 aus, darunter Einzelstücke in exotischen Farben und mit ausgefallenen Polstern.

Sie geben den Besucher:innen der Ausstellung außerdem einen Einblick in die Produktion von Geräten zum Muskeltraining. Ist die Fitnessbranche in Öffentlichkeit und Gesellschaft angekommen? 

Hanspeter Rubner: Wir veranstalten dieses Format nun schon zum dritten Mal, die Resonanz steigt von Jahr zu Jahr, wir sind definitiv angekommen.

Sie sind Jahrgang 64, haben eine Karriere als Bodybuilder, Personal Trainer, Centerleiter, Coach, Dozent, Testfahrer, Berater in der Sportartikelindustrie, Medienproduzent und wahrscheinlich noch viel mehr, was Sie mir noch nicht berichtet haben, vorzuweisen. Was verbindet alle diese Tätigkeiten?

Das Verbindende ist, dass ich immer schon meiner Leidenschaft gefolgt bin, meinen Traum und meine Mission verwirklichen wollte. Ich hatte das große Glück, mein Hobby zum Beruf zu machen, dafür bin ich sehr dankbar. Muskulatur, pure Kraft, starke Athleten und ihre Leistungen haben mich schon immer fasziniert. (Lesen Sie auch: 'gym80 lädt zum 'Kraftfreitag' ein')

Schon als Kind wollte ich stark sein, große Muskeln haben und hohe Gewichte bewegen können.

Genau aus diesem Grund bin ich schon mit 20 Jahren in die USA, das Mekka des Bodybuildings, ausgewandert. Dafür habe ich sogar mein geliebtes Motorrad verkauft, um das Flugticket nach Los Angeles zu lösen.

Am Flughafen angekommen war meine erste Handlung, nach Venice Beach zu gehen und gleich am ersten Tag in den USA die Trainingsstätten meiner Idole zu besuchen.

Kunstwerke neben stählernen Trainingsgeräte: gym80-Ausstellung 'Kraft trifft Kunst'

Um Geld zu sparen, bin ich zu Fuß vom Flughafen dorthin gelaufen. Ich habe die Entfernung ein wenig unterschätzt und knapp vier Stunden für den Weg gebraucht, aber das hat mich damals überhaupt nicht interessiert. Ich war genau dort angekommen, wo ich hinwollte.

Wie waren die ersten Jahre in einem wahrscheinlich fremdartigen Land?

Es war sehr spannend und jeden Tag aufs Neue bereichernd. Mein Ziel war es, Bodybuilding-Stars kennenzulernen, mit ihnen zu trainieren und von ihnen zu lernen. Ich war jeden Tag im Gold‘s Gym oder im World Gym und an vielen anderen angesagten Adressen, um mit diesen Athleten zu trainieren.  (Auch interessant: 'Goldener Glanz in München')

Die besten Athleten, natürlich auch Arnold Schwarzenegger, haben immer schon sehr früh am Morgen trainiert, also war ich auch schon ab 6 Uhr in der Frühe am Start. Es war die größte Ehre für mich, als einige meiner damaligen Heroes mich das erste Mal wahrgenommen haben, guten Morgen zu mir gesagt haben oder ich ihnen Hilfestellung beim Training geben durfte.


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Ab der Zeit war ich einer von ihnen. Über die Jahre sind so viele Freundschaften entstanden. Mit einigen dieser Athleten habe ich sogar zusammengewohnt, dies war so üblich in dieser Zeit und man konnte sich die meist recht teure Miete teilen.

Mein größtes Idol und mein Mentor war damals der legendäre Serge Nubret, einer der wohl ästhetischsten Bodybuilder aller Zeiten.

Wie ging es dann für Sie weiter?

Mit 23 Jahren ging es wieder zurück in die Schweiz. Damals habe ich mein erstes Fitnesscenter in Graubünden geleitet und meine Mission, das Training, weiterverbreitet. In dieser Zeit habe ich viele Leistungssportler aus anderen Sportarten betreut.

Darunter waren sehr erfolgreiche Skifahrer, Eishockeyspieler, aber auch Schwinger, denen ich durch meine Art, Kraft zu trainieren, zu mehr Leistungsfähigkeit verhelfen konnte. Meine Erfahrungen aus den Trainingsjahren mit den Bodybuildern in den USA konnte ich hier sehr gut einsetzen.

Branchenexperte Hanspeter Rubner im Interview zu 'Kraft trifft Kunst'

Die guten Bodybuilder haben stets sehr individuell und variantenreich trainiert, es wurde viel experimentiert und so hatte ich ein enormes Repertoire an Trainingsmethodik, Techniken und Trainingsvarianten, die erst Jahre später durch die Trainingswissenschaft erforscht und bestätigt wurden.

Heute veranstalten Sie diese Ausstellung „Kraft trifft Kunst“.

Auf 750 Quadratmetern wimmelt es hier von Kunstwerken aus Stahl, Kunststoff, Leinwand und Lichtinstallationen, bunte Farben, filigrane und detailreiche Bilder und Skulpturen schmücken die Ausstellung. Daneben stehen stählerne Trainingsgeräte, Bizepsmaschinen, Brustpressen, Rudergeräte, Legcurler, Wadenmaschinen oder eine goldene Hackenschmidtmaschine mit einem Bezug vom Stachelrochen und goldenen Nähten.

Welche Philosophie steckt dahinter? Was ist die Botschaft von „Kraft trifft Kunst“? Auf den ersten Blick könnte man sich fragen, ob diese Kombination nicht im Widerspruch steht. Gibt es Übereinstimmungen?

Wenn du dich darauf einlässt und suchst, findest du unzählige Übereinstimmungen. Beim Muskeltraining ist der menschliche Körper das Kunstwerk, die Maschinen und Gewichte, die Bänke und Hanteln sind die Werkzeuge. An diesem Kunstwerk können alle Altersgruppen gleichermaßen arbeiten. (Auch interessant: 'Rückblick auf die gym80 Fitnessmesse 'KRAFTcon.'')

Kunstwerke neben stählernen Trainingsgeräte: gym80-Ausstellung 'Kraft trifft Kunst'

Wenn du jung bist, arbeitet der Körper für dich, er wird fast automatisch immer stärker und widerstandsfähiger. Wenn du älter wirst, musst du ihn dazu bringen, seine Fitness und Kraft zu erhalten. Wenn du alt wirst oder bist, arbeitet der Körper gegen dich.

Ohne Muskeltraining wirst du automatisch schwächer, erfährst Einschränkungen und kannst dein Leben nicht mehr in vollen Zügen genießen. Aus diesem Grund ist es so wichtig, insbesondere mit zunehmendem Alter lebenslang am „Kunstwerk Körper“ weiterzuarbeiten.

Die Botschaft lautet: Muskeltraining ist die Kunst, ein Leben lang leistungsfähig und gesund zu bleiben, dem Körper regelmäßig die notwendigen Entwicklungsreize zu verabreichen, um der Abnutzung und dem Verschleiß entgegenzuwirken und eine hohe Lebensqualität zu sichern.

Es ist definitiv eine Kunst, die wir in den Fitnesscentern der Welt zelebrieren. Jeder Mensch kann in jedem Lebensalter in den Genuss dieses Kunsthandwerkes kommen. Genau das ist die Botschaft dieser Ausstellung, genau das ist meine Botschaft und meine Mission.

Im Moment folgen etwa zwölf Prozent der Schweizer Bevölkerung dieser Mission. Wie schätzen Sie die zukünftige Entwicklung ein?

Wir haben in den vergangenen Jahrzehnten eine sehr gute Entwicklung genommen. Heute sind Muskeltraining und Sport allgemein ein fester Bestandteil unseres Lebens geworden. Alle Altersgruppen profitieren davon. (Lesen Sie auch: 'Erste umfassende Studie zu den Eckdaten der Schweizer Fitness-Wirtschaft')

Es liegt an uns, die Botschaft weiterzuverbreiten und uns ernsthaft und kompetent um die Menschen zu kümmern, die uns anvertraut werden.

Kunstwerke neben stählernen Trainingsgeräte: gym80-Ausstellung 'Kraft trifft Kunst'

Hierbei macht die innere Haltung jedes Mitarbeiters im Center den Unterschied. Jeder muss die Bereitschaft mitbringen, stetig dazuzulernen, sich zu qualifizieren und die Kompetenz auf die Kunden zu übertragen.

Ich kann von mir behaupten, dass ich meine Leidenschaft zum Beruf machen durfte und ich versuche täglich Menschen durch diese Leidenschaft anzustecken und von Muskeltraining zu überzeugen.

Je mehr Menschen wir von dieser Botschaft überzeugen, desto besser wird die Perspektive einer gesamten Branche. Unsere Aussichten sind deutlich besser als zu Beginn meiner Karriere. Das motiviert mich jeden Tag aufs Neue.

Ganz herzlichen Dank, lieber Hanspeter Rubner.


Hanspeter Rubner

Über den Interviewpartner

Hanspeter Rubner, Jahrgang 1964, blickt sowohl auf über 30 Jahre Branchenerfahrung im Bereich Fitness, Bodybuilding und Kampfsport als auch auf eine langjährige Karriere als Personal Trainer zurück. In der Vergangenheit nahm er selbst als Athlet an Europa- und Weltmeisterschaften teil und ist seit den 90er-Jahren als Veranstalter für diverse Fitness-, Box- und Bodybuildingveranstaltungen aktiv.

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Für fitness MANAGEMENT berichtet

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